Aus unserer Geschichte – anlässlich 100 Jahre Melanchthonkirche

 

Die Evangelischen Gemeinde in der Neckarstadt

Vielen Dank für die Unterstützung des Marchivum Mannheim
 

Die Wohnbebauung der nördlich der Mannheimer Innenstadt liegenden Neckarstadt entstand ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Westteil wurde 1884 die Lutherkirche für die evangelischen Einwohner erbaut, die aufgrund des rasanten Bevölkerungswachstums bereits nach zwanzig Jahren durch einen größeren Neubau ersetzt wurde.
 
Die kleine Kirche ist auf den Waldhof versetzt worden, die heutige Pauluskirche auf dem Waldhof, die erste Evangelische Jugendkirche Badens.
 
Auch danach stieg die Einwohnerzahl weiter schnell an, 1910 wurden bereits 20.259 Evangelische gezählt, und die Wohnbebauung entwickelte sich ostwärts weiter, so dass hier 1913 die nach dem Reformator Philipp Melanchthon benannte Pfarrei eingerichtet wurde.
 
Die Melanchthongemeinde wurde 1913 zur selbständigen Gemeinde erhoben. Vorher war sie Filialgemeinde der Lutherkirche. Pfarrer Rothenhöfer war der erste Pfarrer dieser zweiten Gemeinde der Neckarstadt. Zum Bau einer Kirche kam es aufgrund des Ersten Weltkriegs zunächst nicht und die Gottesdienste wurde in der Turnhalle der Uhlandschule abgehalten.
 
Zwischen 1922 und 1923 wurde dann die Melanchthonkirche nach den Plänen von Wilhelm Würth erbaut. Die Melanchthonkirche wurde am 11. November 1923 eingeweiht. Obwohl als Notkirche geplant, nach dem Bau einer größeren Kirche sollte das Gebäude als Gemeindehaus genutzt werden, hatte sie 900 Sitzplätze.
 
Die Hallenkirche wird von einem Walmdach bedeckt, das mit einem Dachreiter verziert ist. In dem Dachreiter wurden bei der Erbauung der Kirche 1923 zwei Glocken aufgehängt. Eine davon war die älteste erhaltene Glocke in Mannheim. Sie wurde 1709 von Melchior Derck gegossen und von Offizieren für die Trinitatiskirche gespendet. Nachdem dort ein neues Geläut aufgehängt worden war, und die alte Glocke klanglich nicht dazu passte, kam sie zur Melanchthonkirche. 
 
 
Sie hat folgende Inschrift:
In Mannheim hat mein Nahm und Klang vor niemand hören schallen
Ich bin die erste lutherisch Glock: Ich ruff denen allen
Die sind auf Gottes Lob und Preis und eignes Heil bedach:
Und zeige zum Gedächtnis an, wer mich zur Welt gebrach
 
20.5.1924
400 Jahre Evangelisches Gesangbuch
Anlässlich des Jubiläums wird die Steirer-Orgel (16 Register) von Pfarrverwalter Rößger (Vertretung von Dekan Stadtpfarrer Rothenhöfer) eingeweiht. Oberkirchenrat Sprenger überbrachte Grüsse:
Phil 2,11 „Alle Zungen sollen bekennen….“ verbunden mit der Hoffnung, dass in der Kirche, deren Erstellung in schwerster Zeit ein mutiges Bekenntnis zum Evangelium gewesen sei, nunmehr auch die Orgel beitragen möge zur Verstärkung und Vertiefung des religiösen Lebens in der Gemeinde und dass die Klänge der Orgel, die zum Gotteshaus hinausdringen, auch die dem kirchlichen Leben ferner Stehenden herbeirufen möge.
Predigt zu Psalm 98 „Singet dem Herrn ein neues Lied“
Thema 400 Jahre Evangelisches Gesangbuch, von dem in dieser langen Zeit unermessliche Segenskräfte ins deutsche Volk ausgegangen sind. Zur ferneren Förderung des evangelischen Kirchenliedes solle auch die neue Orgel mithelfen. Sie sei ein Sinnbild der Gemeindeeinigkeit, weil in ihr viele Stimmen zu einer Harmonie zusammenklingen.
 
Es war eine überaus stark besuchte Feier.
Nachmittags 14:00 Uhr Kigo,
nächsten Sonntag Abendkonzert von Kirchenmusikdirektor Arno Landmann.
Die Kollekte sollte zur Bestreitung der Kosten der Altarteppiche dienen.
 
Neue Mannheimer Zeitung 5.3.1934, S. 3
Die Kirche ist eine Angelegenheit des ganzen Volkes
Die Kirche steht und fällt mit dem Volk, wie auch das Volk mit der Kirche steht und fällt. Mit Jesus Christus für unsere Kirche und damit für unser Volk! Die Glocke des Gemeindehauses ließ zum ersten Mal ihre eherne Stimme ertönen zum Choral „Nun dankte alle Gott“
 
Neue Mannheimer Zeitung Nr. 106,
Das neue Gemeindehaus der Melanchthonkirche
Landesbischof Kühlewein nimmt die Weihe vor
Der sehr großen Melanchthongemeinde genügte die kleine Melanchthonkirche in der Lange Rötterstr. schon lange nicht mehr, so dass das Bestreben dahin ging, ein Gemeindehaus in der Nähe der Kasernen zu erstellen. Architekt Morkel baute in nur fünf Monaten das Gemeindehaus Zellerstr.: 100qm Raum, Platz für 150 Personen für Gottesdienste und große Gemeindeversammlungen mit Empore für Harmonium und Platz für 40 Personen - Fenster mit Glasmalerei: Verkündigung des Evangeliums durch die vier Evangelisten, begrenzt durch die Bilder Glaube und Liebe. Hauptsächlich war das Haus für die Kinderschule gedacht. Deswegen erhielt das Haus dafür benötigte Nebenräume und im Obergeschoss eine Wohnung für Kirchendiener und Schwester. Das Haus ist ab dann der neue Mittelpunkt evangelisch-christlichen Lebens und ein Sammelpunkt für die Melanchthongemeinde: „So wie heute die Sonne über uns scheint, möge stets das Licht über der Gemeinde leuchten." Der Landesbischof überreichte die Schlüssel an Stadtpfarrer Hessig, der weitere Segenswünsche sprach und dann die Türe aufschloss. Der Landesbischof: „Hier sollen die Kleinsten und jüngsten Glieder der Gemeinde betreut werden, die Jugend soll sich stärken in der evangelischen Gemeindschaft und am Glauben und die ganze Gemeinde soll sich sammeln zur Stärkung und Festigung des Gemeindebwusstseins."
 
„Sammlung ist das Gebot der Stunde. Wir leben in einer Zeit der Entscheidungen. Das Volk hat heute entschieden, schart sich um die eine Fahne und hat die Hand des Führers ergriffen zu einer neuen Zukunft. So tut auch im kirchlichen Leben eine starke, klare Entscheidung not. Es geht um den Grund, auf dem die Kirche steht; es geht darum, ob die Kirche für das Volk eine Kraft und Bedeutung hat. Im letzten Grund ist die Entscheidung eine für oder wider Christus. Wir wollen Christus aufs Neue die Hand zum ewigen Bunde reichen und wollen nie vergessen, was wir ihm verdanken."
 

 
Als im Krieg die Melanchthonkirche ausbrannte, wurden die Gottesdienste bis zur Wiederherstellung der Kirche im Gemeindehaus der Zellerstraße (ehemalige Kreuzkirche) abgehalten.
 
1950 waren die unteren Räume der Melanchthonkirche wieder hergestellt, so daß dort der Gottesdienst und die übrige Gemeindearbeit gehalten werden konnte. Schon früh gab es einen Kirchenchor (gegründet 1919) und den Gemeindepflegeverein, der die Krankenstation unterhält.
 
1952 entstand aus dem Ostgebiet jenseits der Friedrich-Ebert-Straße eine neue Gemeinde, die Kreuzkirchengemeinde.
 
Bei einem Wettbewerb erhielten die Architekten Albrecht Lange und Hans Mitzlaff den ersten Preis und begannen Ende Februar 1952 mit dem Innenausbau. Die beiden seitlichen Emporen wurden abgerissen, um Weiträumigkeit und eine klare Linie zu schaffen. Es entstand eine moderne, in der Einfachheit und Klarheit ihrer Struktur überzeugende Kirche, deren einmalige Neuerung die durchlaufenden 10 Fenster aus mit Glasbausteinen verbundenen farbigem Antikglas waren. Die dadurch erreichte strahlende Helligkeit wurde durch freundliche Bänke und rostrote Säulen verstärkt. Außerdem wurde der Eingang neu gestaltet, der nun von zwei Seiten erfolgen konnte. 1952 wurde der Wiederaufbau der Kirche mit einem neu gestalteten Innenraum auch abgeschlossen. Nun war Platz für 500 Menschen. 
 
 
Bischof Bender weihte die Melanchthonkirche ein. Kirchenchor und Posaunenchor sangen und spielten Psalm 100. Die Predigt ging über das Gleichnis vom Herrn, der seine Güter an die Knechte verteilt. Die Pfarrer Dr. Stürmer und Stobbies hielten den rituellen Gottesdienst. Dekan Joest überbrachte Grüße von der Gesamtkirchengemeinde. Am Abend folgte eine kirchenmusikalische Feierstunde mit Rezitationen, Posaunen- und Gesangvorträgen unter der Leitung von Christoph Ungerer.
Lesen Sie dazu: Mannheimer Morgen Nr. 224, 29.9.1952
 
Der Pfarrerwechsel nach dem Krieg: 1947 löste Dr. Karl Stürmer Friedrich Scharpf ab. 1949 übernahm Günther Stobbies die Westpfarrei. Nach Weggang zur Kreuzkirche 1952 halfen Helmut Feil und Dr. Friedrich von Samson-Himmelstjerna aus, bis Theodor Wöllner 1954 Pfarrer der Westpfarrei wurde. 1967 folgte Dankward Rosenkranz, während schon 1966 Heinrich Riehm Dr. Karl Stürmer als Pfarrer des Ostpfarrei folgte.
 

 
 
(25.07.2017 Karlsruhe / Mannheim) Anlässlich des Todes von Badens erster Pfarrerin Hilde Bitz haben Vertreter der Kirchenleitung die Verdienste der Theologin aus Mannheim gewürdigt. „Hilde Bitz war eine unermüdliche Kämpferin für die Gleichstellung der Frauen im Pfarramt“, erklärte Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe). Sie habe mit ihrem Engagement „badische Kirchengeschichte geschrieben“, die Landeskirche sei ihr dafür „zutiefst dankbar“, sagte der Landesbischof.
Auch der Mannheimer Dekan Ralph Hartmann würdigte die Verstorbene als „eine Pionierin auf der Kanzel“. Die gebürtige Mannheimerin habe „in der Mannheimer Neckarstadt verwirklicht, wovon sie zu Beginn ihres Studiums kaum zu träumen wagte: Nämlich als Gemeindepfarrerin wirken zu können.“ Die Verstorbene stehe dafür, was heute längst liebgeworden und selbstverständlich sei: Das gleichberechtigte Wirken von Frauen und Männern im Pfarrberuf.
Hilde Bitz wurde 1929 geboren. Nach dem Theologiestudium in Heidelberg wurde sie 1955 ordiniert und war zunächst hauptamtliche Religionslehrerin am Elisabeth-Gymnasium in Mannheim. 1971 wurde sie als erste Frau in der badischen Landeskirche in ein Gemeindepfarramt eingeführt, nachdem dies ein entsprechender Beschluss der Landessynode im gleichen Jahr ermöglicht hatte. Die Theologin war in Melanchthon Vikarin und dann Gemeindepfarrerin der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Mannheim, von 1982 bis zum Ruhestand wirkte sie als Krankenhauspfarrerin am Mannheimer Diakonissenkrankenhaus.
Hilde Bitz war auch publizistisch tätig und veröffentlichte ihre Forschungen zur Geschichte der Evangelischen Theologinnen in mehreren Aufsatzsammlungen, unter anderem im Buch „Erinnerungen und Perspektiven. Evangelische Frauen in Baden 1916 – 2016“. Sie selbst wies stets darauf hin, dass es zwar lange gedauert habe, bis Frauen der Weg in das Pfarramt offen stand, „dass es aber Theologinnen gibt, solange es die Kirche gibt“, schreibt sie in diesem Buch. Ihren Weg in das und im Pfarramt beschreibt sie als einen „langen, mitunter hügeligen, aber guten Weg“. Noch viele Jahre später habe sie sich an manche Fragen des Bewerbungsgespräches in der Gemeinde an sie als unverheiratete Frau erinnern können, zum Beispiel „Wer öffnet die Tür, wenn es klingelt?“ oder „Wer ist da, wenn Sie auf dem Friedhof sind?“ – bei einem verheirateten Pfarrer habe das damals die Ehefrau gemacht. Sei die Pfarrgemeinde zunächst „erschrocken“ über die Bewerbung einer Frau gewesen, habe man sie später gut akzeptiert.
Den Trauergottesdienst leitete am 1. August Prälat Traugott Schächtele (Schwetzingen). Schächtele würdigte Hilde Bitz im Vorfeld als eine Pfarrerin, „die ihre Rolle als erste badische Gemeindepfarrerin nicht als ein persönliches Verdienst, sondern als unumgängliche und theologische folgerichtige Notwendigkeit angesehen“ habe. „Persönliche Bescheidenheit, Mut und theologische Klarheit waren bei ihr in einer Gewinn bringenden Symbiose verbunden", erklärte der Prälat.
 

Die Melanchthongemeinde trägt einen großen Namen.
Sie fühlt sich verpflichtet, ihr Gemeindeleben und ihre Räume entsprechend zu gestalten. Der Freiheit des Evangeliums gemäß sollen die Räume und die Begegnungen in ihnen nicht einengen. Der Ort, an dem sich die christliche Gemeinde versammelt, soll nicht dunkel, sondern licht sein und so den Himmel und das Reich Gottes widerspiegeln.
 
 
Inhalt und Form gehören zusammen. Das Evangelium ist der Inhalt. Es soll nach reformatorischem Verständnis „klar und rein" verkündet werden, so daß die Menschen verstehen, worum es geht, und es als Hilfe und Lebensermutigung erfahren. Und die Form - u.a. das Gebäude, in dem sich die Menschen als Gemeinde versammeln, - soll die Schönheit des Evangeliums nach außen hin zeigen.
 
Deshalb hat sich die Melanchthongemeinde die Aufgabe gestellt, in den Jahren 1985 bis 1991 dem Innenraum der Kirche ein neues Gesicht zu geben, einen Raum zu schaffen, in den Menschen gerne kommen und sich angenommen fühlen. Dank der großen Spendenbereitschaft und der großen jahrelangen Einsatzbereitschaft des Flohmarktteams konnte der Sakralraum neu gestaltet werden. Der Auslöser dieser Renovierung war die Neubeschaffung einer Orgel:
 
Eine Heintz-Orgel mit 20 Registern wurde 1985 eingeweiht.
Die Melanchthongemeinde hat der Kunst der Kirchenmusik von Anfang an Raum gegeben, da Orgelmusik und Chorarbeit dem Gemeindeleben eine besondere Ausstrahlung verleihen.
 
Darüber hinaus hat die Melanchthongemeinde der darstellenden Kunst sichtbar Raum geben wollen, wo sie sich zum Gottesdienst versammelt. So wurden 1986 ebenfalls die Primärstücke neu gestaltet: Altar und Kanzel von Gernot Eichler, Taufbecken und Taufleuchter von Hannelore Pichlbaur. Ein Jahr später kam noch das Altarwandbild von Hannelore Pichlbaur „Der Gekreuzigte ist der Auferstandene" hinzu.
 
1989 begann eine Gesprächsreihe mit dem Künstler Johannes Schreiter, der für die Heilig-Geist-Kirche in Heidelberg Fensterentwürfe gemacht hatte. Die Ältesten baten ihn zu einem ersten Gespräch mit dem Ergebnis, daß die Melanchthongemeinde ihre Buntglasbausteine durch eine moderne Glasgestaltung ersetzen wollte. Durch ein Vermächtnis, Spenden und die großen jährlichen Flohmärkte kam so viel Geld zusammen, daß 1990 acht und 1991 weitere drei Fenster eingebaut werden konnten.
 

Jedes Fensterbild hat eine eigene Aussagekraft und ist als künstlerisches Meisterwerk zu betrachten. Auch die Gesamtkomposition der elf Bilder steht für sich und kann zum lebendigen wechselseitigen Gespräch führen.
 
Die Melanchthongemeinde und der Künstler wollen den Betrachter nicht auf eine bestimmte Sichtweise festlegen, sondern zum Dialog einladen. Gleichwohl haben die Ältesten dem Künstler ein Thema gegeben für die Fenster-gestaltung: DAS KIRCHENJAHR.
 
 
Die Melanchthongemeinde handelte nach dem Grundsatz: Das Alte bewahren und dem Neuen eine Chance geben. So ist sie dem Protestantismus treu geblieben. Denn im Protestantismus sind Tradition und zeitgenössische Kultur bis heute keine Gegensätze. Das wird in der Melanchthonkirche sichtbar im traditionellen Orgelprospekt des Orgelbauers Heintz und in den modernen Fenstern von Schreiter und hörbar in den großen klassischen Werken der alten Musik und der musikalischen Avantgarde und erlebbar in traditionellen und modernen Gottesdiensten. Kunst und Kirche gehören zusammen, seit Gott und Mensch in kultivierter Weise zusammenkommen. Das gilt für alle großen Religionen und auch für die christliche Kirche. Durch Kunst, durch die besten Gaben, die dem Menschen verliehen wurden, möchte der Mensch Gott ehren. Dies ist in der Melanchthongemeinde möglich.
 
Ungegenständliche Bildsprache - Heilsgeschichtliche Inhalte
Die von Johannes Schreiter 1989 bis 1991 geschaffenen Glasfenster der Melanchthonkirche sind mit ihren geometrischen Formen und expressiven Linien der ungegenständlichen Kunst zuzurechnen.
Die zehn Fenster des Kirchenraumes haben Grundflächen aus opakem, weißem Glas, in die graue, rote, blaue, teils auch grüne, violette, orange und schwarze Gläser eingelassen sind. Diese bunten Gläser sind ihrerseits von gräulichen Bleiruten eingefaßt und zuweilen auch durchbrochen. Die Fenster reichen von der Decke bis zum Boden.
Mit einer Höhe von 657 cm und einer Breite von 110 cm sind sie recht schmal. Jedes der Fenster wird durch Sprossen in fünf gleich große Felder unterteilt. In gleichmäßigen Abständen gliedern und beleben diese Fenster die schmucklosen, weiß getünchten Wandflächen im Osten und Westen der Hallenkirche, die in den zwanziger Jahren erbaut und nach ihrer Zerstörung im Krieg schlicht und funktional wiederaufgebaut wurde.
 
Das Fenster im Vorraum zur Kirche unterscheidet sich in Größe und Ausführung von denen des Kirchenraumes. Es ist 195 x 295 cm groß. In die Grundfläche aus blauem Glas sind weiße, graue und grüne Gläser eingelassen.
Die zehn Fenster des Kirchenraums stehen formal in klarem Bezug zueinander. Denn bestimmte bildliche Elemente kehren auf ähnliche, aber niemals identische Weise wieder: hochrechteckige Flächen, bunte Farbbänder, „U"-Formen, Linien, unregelmäßig strukturierte Felder. Trotz dieser Ähnlichkeiten vermittelt doch jedes Fenster eine eigene künstlerische Aussage. Schreiter wählte diese ungegenständliche Bildsprache, um zehn zentrale Stationen der Heilsgeschichte darzustellen.
 
Fragen Sie in der Kirche nach der Broschüre sichtbar.hörbar.erlebbar und erfahren Sie mehr über die einzelnen Fenster.
 
Betrachten Sie die Fenster in aller Ruhe.
Ausführung: Glaswerkstätten Wilhelm Derix, Taunusstein
 
Farbensymbolik (nach Johannes Schreiter)
Grün beschreibt die menschlich-allzumenschliche Seite unserer Existenz und die Gefährlichkeit des Menschen, auch seinen Verrat.
Grau ist das Signal für das Sich-Verhalten und Tun des Menschen in Gottesferne und Unordnung.
Rot ist die Farbe für den Heiligen Geist, für Feuer im Sinne von Beleben und Angestecktwerden.
Dunkelblau ist die Farbe für Geheimnis, Ferne und Ruhe.
Hellblau ist die Farbe für weltliche Macht.
Weiß ist die Farbe für Gott. In Weiß sind alle Farben enthalten.
Es ist die Farbe für einen verheißungsvollen Anfang (Weißer Sonntag, Taufe, Trauung). Es ist die Farbe für die geglückte Vollendung des Lebens (Offenbarung des Johannes).
 
Eine U-Form in Grau ist jedoch Zeichen sowohl für Christus als auch für den Menschen, der sich Gott geöffnet hat.
Die vielsagenden Veränderungen dieses Zeichens über alle Fenster hinweg zu beobachten, allein das ist schon fast ein Abenteuer des Geistes. Seinen Anfang und seinen Ausgang hat es auf dem strahlend blauen „Konfirmandenfenster" im Vorraum mit seiner „Gemeinde" von U-Zeichen. Christel Heybrock
 
Johannes Schreiter sagt zu seiner Arbeitsweise:
„Wenn ich Fenster gestalte, dann geht es mir in den betreffenden Räumen weder um schöner wohnen, noch um schöner und bequemer glauben lassen." „In meiner künstlerischen Konzeption spielt das Gleichnis die Hauptrolle. Ich will den anderen mit aufgeworfenen Inhalten nicht überfahren, wie ein Plakat es tun würde, sondern an der Erschließung des Inhalts beteiligen." „Bilder, die in die Tiefe tragen sollen, dürfen sich keinesfalls journalistischer Drastik bedienen, sie dürfen es sozusagen nicht eilig haben."
 

 
Welche Gefühle löst dieser Glockenturm in Ihnen aus? Was spricht Sie an?
Die Architekten wollen die Aufgabe „einen Glockenturm bauen" anders lösen.
Die Fläche zwischen Kirche, Melanchthonhaus und Kindergarten ist frei:
Sie verträgt eine „leichte" und weithin sichtbare Konstruktion, die schon durch ihre Bauart Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Diese Situation nutzend sagen die Architekten: „Der Turm selbst macht eine Aussage" Der Turm als Ausrufezeichen. „Hallo, hier ist etwas los." „Wir wollen Kontakt aufnehmen."
 
Am 6. März 1994, anläßlich des 75-jährigen Bestehens der Kantorei, hat Pfarrer Heinrich Ascheberg der Gemeinde eine neue Aufgabe gestellt, indem er das „Projekt 1999 - Glockenturm" ausrief. Die Melanchthonkirche, 1923 als Notkirche erbaut, hatte damals nur einen kleinen Dachreiter mit einer Glocke. Es ist die älteste lutherische Glocke Mannheims.
 
 
Als Kirche im Mittelpunkt der Neckarstadt-Ost sollte die Melanchthonkirche noch in ihrem Gründungsjahrhundert einen Turm mit einem Geläut erhalten. Das Echo war geteilt. Etliche fanden, daß die Gemeinde dringendere Aufgaben hätte. Dem konnte entgegnet werden, daß all die dringenden Aufgaben unser Dauerauftrag sind. „Die Aufgabe der Kirche ist, das Wort Gottes rein und lauter zu verkündigen und mit der Tat der Liebe zu dienen" (Katechismus für die Evangelische Landeskirche in Baden, Frage 47). Die Melanchthongemeinde ist nicht hochmütig, aber auch nicht kleinmütig. Sie setzt mit dem Glockenturm ein weiteres Zeichen der Glaubenskraft, die in ihr lebt.
 
Mit dem Turm und mit dem Glockenruf soll den Menschen „draußen" ein Orientierungs- und Rufzeichen gegeben werden. Wo immer sich in der Gemeinde Menschen finden, um eine dringende Aufgabe anzupacken, finden sich dafür auch die Mittel. Es gab eine große Spendenbereitschaft für das Glockenturm-Projekt, ohne daß die Spenden für andere Aufgaben zurückgingen, da weitere Geber mobilisiert werden konnten. Die jährliche große Flohmarktaktion sowie Vermächtnisse zu diesem Zweck ermöglichten der Gemeinde, den Baubeginn schon auf das Melanchthonjahr 1997 vorzuverlegen. Zugute kam dabei, daß das junge Darmstädter Architektenteam Nicolaus Staniek und Martin Rudolf (Architekturbüro Stur) bereit war, erste Planungen und ein Turmmodell kostenlos zu erarbeiten. Dieser Entwurf stieß ebenso auf geteilte Meinungen. Bei einem Turm dachte fast jeder traditionell. Daß ein Turm auch ganz anders aussehen könnte, dazu war ein Lernprozeß nötig. Der Turm ist innovativ in der Gestaltung. Er ist als ein architektonisches Zeichen unserer Zeit zu sehen. Die neue Form will verweisen auf den, der nicht faßbar ist, und der doch Gegenwart und Zukunft gestaltet. Zum einen steht der Turm für sich als Kunstwerk, das zum Innehalten, Betrachten und Nachdenken anregt, zum anderen will er dienen. Er will die schöne Aufgabe übernehmen, Glocken zu tragen, die mit ihrem Klingen und Schwingen zum Gottesdienst rufen.
 
 
Die Ältesten haben sich in ihrer Sitzung vom Januar 1996 für den Entwurf der Architekten Staniek und Rudolf entschieden. Am 4. März 1996 wurde der Gemeindeversammlung das Modell des neuen Turmes vorgestellt. Der Beschluß der Ältestenkreise wurde akzeptiert. Am 18. Februar 1997 stimmte der Kirchengemeinderat Mannheim dem Projekt mit el ner Gegenstimme und einer Enthaltung zu; am 15. Mai 1997 erteilte die Stadt Mannheim die Baugenehmigung. Der neue Turm hat ein Geläut von vier Glocken. Zusammen mit dem Glockenbeauftragten der badischen Landeskirche, Dr. Martin Kares, und dem der pfälzischen, Volker Müller, wurde das „Westminstermotiv" (g"-f"-es"-b') ausgewählt. Kares sagte dazu, „daß die helle und festlich-freundlich wirkende Kirche ein solches, festlich-fröhlich wirkendes Geläute haben sollte." Tonlich ist dieses Geläut mit den Nachbargeläuten der Kirchen St. Bernhard und St. Bonifatius abgestimmt. Die bisherige Glocke wird weiterhin im Dachreiter in Abstimmung mit den anderen Glocken ihren Dienst tun.
Die Firma Bachert in Heilbronn erhielt den Auftrag, die vier Glocken zu gießen. Über 120 Gemeindemitglieder haben diesen besonderen Tagen des Glockengusses in Heilbronn beigewohnt.
 
 
Am 16. Mai wurden um 16.00 Uhr die Christusglocke und die Melanchthonglocke gegossen.
 
Am 13. Juni um 15.00 Uhr wurden die Betglocke und die Gloria-glocke gegossen. Beim dritten Glockenturmfest am 13. Juli 1997 hatte die Gemeinde Gelegenheit, die Glocken zu sehen, die Inschriften kennenzulernen und die Glocken anzuschlagen. Es wurde die Komposition „Tönendes Erz" für drei Bläserchöre, Trompetenquartett, Schlagwerk, Glocken und Orgel von Kirchenmusikdirektor Rolf Schweizer aufgeführt.
Am Sonntag, dem 26. Oktober 1997, wurden Turm und Glocken mit einem Festgottesdienst feierlich eingeweiht.
 

Der Herzogenriedsaal wird aufgegeben. 
 
Seit dem 1. Januar 2009 gibt es die "Evangelische Gemeinde in der Neckarstadt".
Sie entstand aus den drei früheren Gemeinden Kreuz-/ Herzogenried-, Luther- und Melanchthongemeinde. Die Evangelische Gemeinde in der Neckarstadt ist mit 7600 Gemeindegliedern die größte evangelische Gemeinde Mannheims und wird seelsorgerlich durch ein Gruppenpfarramt mit 2,5 Planstellen betreut.
 
Die Kreuzkirche wurde im Herbst 2010 zunächst für den Winter stillgelegt, dann im Juli 2011 komplett mit ihren Grundstücken verkauft.
 
Die Lutherkirche ist stark sanierungsbedürftig. 
Das Gemeindehaus Luther und das angrenzende Pfarrhaus sind bereits 2014/2015 an Aufwind verkauft worden. Die Gelder aus den Verkäufen sind seinerzeit nicht in die Evangelische Gemeinde in der Neckarstadt reinvestiert worden
 
2019 wird die Paul-Gerhardt Gemeinde mit der Evangelischen Gemeinde in der Neckarstadt fusioniert. So kann eine Pfarrstelle erhalten bleiben. Der Ältestenkreis beschließt als Namen: Evangelische Gemeinde in der Neckarstadt. Das zentrale Pfarrbüro befindet sich nun Lange Rötterstr. 39 in der Neckarstadt-Ost.
 
Die Paul-Gerhardt Kirche, das Gemeindehaus und das Pfarrhaus sind stark sanierungsbedürftig. Die Evangelische Kirche Mannheim kann nicht alle Gebäude erhalten.
 
Wir stecken mitten im Zukunftsprozess der evangelischen Kirche.

In der Landeskirche und in Mannheim machen wir uns deshalb Gedanken,
 wo und wie wir in Zukunft Glauben leben und weitergeben.
 In einer sich wandelnden, durch Digitalisierung, Pluralisierung und Individualisierung 
geprägten Gesellschaft gelingt das nur, wenn sich auch die Kirche verändert.
 


Mitgliederschwund und die damit einhergehende sinkende Kirchensteuereinnahmen 
machen sich auch bei uns bemerkbar.
 Prognosen sagen, dass 2032 wohl nur noch 80% oder 60 % des Geldes zur Verfügung stehen, 
das aktuell gebraucht wird, um unsere Kirchen mit ihren Gemeindehäusern 
und die Gemeindearbeit zu finanzieren.


 
Nun ist vor einiger Zeit deutlich geworden, dass die Evangelische Kirche 
in der Neckarstadt Ost, hier an diesem Standort eine Kirche und ein Gemeindehaus betreibt, 
das marode ist und auf Sand gebaut. 
Es entspricht nicht den aktuellen baulichen Standards, noch ist es klimagerecht.
 


Mit seinem 60er Jahre Charme, seinen Rissen, Klammern, seinen Holzstützen, seinem Quietschen 
und den oft kaputten sanitären Anlagen ist es wenig einladend für die aktuell wünschenswerte Gemeindearbeit.  
Klar ist: Hier muss dringend etwas unternommen werden.
 
 
Und jetzt? Wie sieht es aus in der Neckarstadt rund um Melanchthon?
MEHR INFORMATIONEN IM GEMEINDEBRIEF DEZEMBER BIS FEBRUAR 2023/24
 

Einige Meilensteine aus den letzten Jahren

2009 wird die Melanchthongemeinde erstmals zertifiziert und erhält einen Umweltpreis der Stadt Mannheim.
2010 Der erste gemeinsame Ältestenkreis der Evangelischen Gemeinde in der Neckarstadt beschließt die Umwelterklärung von 2009, sowie die Verpflichtung gegenüber dem Grünen Gockel.
2010 Sommerpredigtreihe „Tiere der Bibel“.
2011 Die Elsbeere (Baum des Jahres) wird Teil der Melanchthonwiese.
2011 Sommerpredigtreihe „Pflanzen der Bibel“.
2012 Die Prinzipalien der ehemaligen Kreuzkirche stehen auf der Melanchthonwiese für Gottesdienste unter freiem Himmel.
2014 Beim Lutherfest wird ein Apfelbaum an der Diakoniekirche Luther gepflanzt.
2015 Solaranlage auf der Kita Melanchthon und Preisverleihung auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart.
2016 Baumfest zur Pflanzung der Lutherlinde im Herzogenriedpark.
2016 beschließt der Ältestenkreis den Grünen Gockel auch für die Diakoniekirche Luther.
Im Mai 2017 wurde im Rahmen des Stadtteilfestes Wohlgelegen im Jahr des 500 jährigen Reformationsjubiläums ein Apfelbaum im Wohlgelegen gepflanzt.
 
Die Gemeinde bestätigt jedes Jahr die im Jahr 2008 erarbeiteten Schöpfungsleitlinien. Sicher erinnern Sie sich auch an Ökumenische Schöpfungsgottesdienste mit Tiersegnung, alternative Spaziergänge unter dem Motto „Unterwegs in der Neckarstadt“, Spaziergänge im Rahmen des „Lebendigen Advents“ und daran, dass das Fahrrad das beliebtes Fortbewegungsmittel in unserer Gemeinde ist. Stadtradeln steht deshalb immer auf unserer Agenda.
Photovoltaikanlagen zieren inzwischen unsere Gebäude.
Und wir haben zusammen das schönste Insektenhotel der Stadt gebaut.
Natürlich sind wir beim Parkingday dabei
und machen jedes Jahr mit beim Kartoffelprojekt und beim Klimafasten.
Natürlich vernetzen wir uns in Mannheim und so gestalteten wir in der Kunsthalle während der 1,5 Grad Ausstellung sowohl eine Lesung mit Gesang und einen Gottesdienst.
 
Und jetzt gibt es das erste churchbike – mit dem Kirchenfahrrad sind wir in Mannheim unterwegs.
 

Cornelia Köhn erzählt von 20 Jahren Theatergruppe Melanthalia
Im Januar 1997 gründete ich Melanthalia, die Amateurtheatergruppe unserer Gemeinde. Mein Anliegen – damals wie heute – ist es, den Zuschauern Spannung, aber vor allem Spaß zu bieten. Deswegen haben wir meist Komödien im Programm und wechseln jährlich von Erwachsenenstück zu Kinderstück.
Bei der Gründung von Melanthalia war Pfarrer Ascheberg noch im Amt, der uns tatkräftig unterstützte. Unter seiner Amtszeit war ich für eine Wahlperiode auch eine der Kirchenältesten. Unsere Stücke kamen gut beim
Publikum an, wenn auch einige kritische Stimmen meinten, dass wir uns nicht allzu lange halten würden. Umso mehr freut es uns, dass Melanthalia im Januar 2017 20 Jahre alt wird.
Aus ursprünglich vier Menschen sind mittlerweile 40 Melanthalier geworden, wovon ca. 25 aktiv in der Gruppe mitarbeiten. Es macht mir nach wie vor viel Spaß, mit diesen ambitionierten und talentierten Theaterbegeisterten zu arbeiten. Seit Anfang dabei hat Gabi Dörner nicht nur bei unseren Zuschauern
immer wieder ein staunendbewunderndes Ah und Oh mit ihren fantasievollen Masken und Kostümen hervorgerufen. Zur Halbzeit stiegen Gerd und Irene Schöner mit ins Boot, ein weiterer Segen für uns. Während Gerd Schöner koordiniert, plant, erinnert und spielt, steht uns Irene Schöner als Regieassistenz und Souffleuse zur Verfügung. Sie war auch schon mehrfach
auf der Bühne zu sehen. Im Foyer und Kassenbereich haben Rolf und Silvia Schuff alles im Griff. Beide sind in der zweiten Hälfte zu uns gestoßen, Rolf Schuff steht auch als Schauspieler zur Verfügung. Den Bühnenbau gestalten
mein Mann Olaf Köhn sowie Jan und Doris de Weert. Die ganze Gruppe unterstützt im Hintergrund, sei es im Verkauf, in der Küche, beim Bauen
oder Planen. Es ist ein sehr aktives und harmonisches Miteinander.
Falls es Sie interessiert, was wir schon alles aufgeführt haben: Das können Sie auf unserer Homepage www.melanthalia.de unter "Aufführungen" sehen.
2015 entstand die Jugendgruppe Künstlerfreiheit, die bei unserem diesjährigen Stück "Eine Woche voller Samstage" mitspielen wird. So stehen die Zeichen sehr gut, dass wir weitere zehn Jahre unseren Fans und der Gemeinde erhalten bleiben.
Anlässlich unseres Jubiläums haben wir uns für die nächste Spielzeit 2017 etwas Besonderes ausgedacht, lassen Sie sich überraschen. Bis zum 4. Dezember 2016 wird zunächst das Sams über die Bühne wirbeln und allerhand Durcheinander bringen.
Wir freuen uns, wenn wir Sie demnächst wieder begrüßen können.
 

‘s Melanchthon Wandergrüpple ist 10 Jahre alt
Es begann im Jahre des Herrn 2007. Da schnürten einige Gemeindemitglieder von Melanchthon die Wanderstiefel, packten Lust und Frohsinn in ihre Rucksäcke und machten sich auf den Weg. Man nannte sie Ratzel, Lehmann und Welcker. Der Frühling ließ sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte und diese inspirierten einen von ihnen – Edgar Ratzel – zu einer grandiosen Idee: ’s Melanchthon Wandergrüpple zu gründen. Die Geburtswehen dauerten bis September, und dann war das Kind geboren. Zur Taufe kamen elf Mitglieder der Gemeinde Melanchthon, und feierten die Geburt mit einer Wanderung an die nördliche Weinstraße. Es dauerte nicht lange, da verbreitete sich diese frohe Kunde und es kamen nicht nur evangelische Gemeindemitglieder, sondern auch katholische und Menschen aus dem ganzen Stadtgebiet. Es wurde eine ökumenische Wandergruppe. Bald zählte man zwischen 25 und 30 Wanderbegeisterte. Keiner muss sich anmelden. „Wer mitkommt, gehört dazu.“ Am Treffpunkt verkündet der Wanderführer Edgar Ratzel dann: „Sie werden heute etwas sehen, hören und erleben, was Sie noch nie gesehen, gehört und erlebt haben.“ Und so ist es dann auch.
Es gibt landschaftliche und kulturelle Höhepunkte, alle liebevoll erklärt. Die Wanderungen gehen in die Pfalz, in den Odenwald und in den Kraichgau. Die meisten Wanderungen sind „topfeben“, dabei gilt es zu bedenken, dass es auch buckelige Töpfe gibt. Und noch einer wandert mit: Fast immer gibt es eine Kirche, in der eine Besinnung gehalten werden kann mit Liedern und einer Geschichte. Dafür zeichnet Winfried Lehmann verantwortlich. Inzwischen haben sich Wanderfreunde gefunden, die bereit sind, auch eine Wanderung auszuarbeiten. Es bedarf schon einer gewissen Findigkeit, ein Lokal zu buchen, das Platz für 30 Wanderer hat. Die Ziele werden immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht, auch das ist nicht einfach, passende Verkehrsverbindungen zu finden. Frisch ausschreitend – manchmal mit einem Lied zwischendurch – ist bei den Wanderungen immer gute Laune angesagt. Bis jetzt gab es 78 Wanderungen, und kein einziges Mal wurde eine Wanderung wiederholt. Sechs Busfahrten mit kleineren Wanderungen – und ein Höhepunkt des Wanderjahres: die Saalwanderung. Da kann man noch mal was sehen, hören und erleben, was man noch nie gesehen, gehört und erlebt hat.
Das Herz wird weit, wenn man in Gottes schöner Natur, noch dazu mit lauter lieben Leuten, unterwegs ist. Kommt mit!
Ansgar und Brigitte Scholz
 

Bitte sag uns in wenigen Sätzen, wer Du bist.
Ich bin eine einfache kleine Hallenkirche ohne Schnörkel. Einige Künstler haben mir ihre Kunst anvertraut, zum Beispiel der Maler, Grafiker und Glasbildner Johannes Schreiter. Er hat meine Fenster gestaltet und sie werden von vielen bewundert. Mein Glockenturm hat drei Beine. Ja, drei. Wer sich das nicht vorstellen kann, muss mich halt besuchen kommen.
 
Man sagt, du würdest dieses Jahr 100. Das ist eine lange Zeit.
Wie war es denn für eine Kirche, als Du jung warst?
Mehr Menschen haben uns besucht damals und kamen in unsere Gottesdienste. Auch die Anzahl der Konfirmanden war jedes Jahr viel größer als heute. Im Krieg war es aber schlimm, er riss mir viele Wunden und ich lag in Trümmern. Weil die Menschen mich liebten und brauchten, bauten sie mich aber neu auf, und seitdem habe ich auch ein Untergeschoss mit vielen praktischen Räumen.
 
Sprechen wir über Deinen Namensgeber. Er klingt, entschuldige die Direktheit, etwas komisch. Philipp heißen heute ja immer noch viele, aber Melanchthon? Das kann man ja kaum aussprechen!
Ich bin ziemlich stolz auf ihn und dass ich seinen Namen tragen darf.
Der Mann lebte zur selben Zeit wie Martin Luther. Er war ein bedeutender Philologe, Philosoph, Humanist, Theologe, Lehrbuchautor und Dichter. Eigentlich hieß er Schwartzerdt, aber als er im Studium sehr erfolgreich war, verlieh ihm sein Lehrer den Namen Melanchthon. Das war sozusagen die Ubersetzung ins gelehrte Griechisch der damaligen Zeit und der Ritterschlag als Gelehrter. Ich trage also einen berühmten Namen.
 
Was sind Deine besten Eigenschaften?
Ich fang mal mit der Größe an.
Für eine Kirche bin ich klein und schlicht. Den Namen meines Baumeisters kennen nur wenige. Genau das gefällt mir, denn ich will nicht ein berühmtes Gebäude sein. Viel wichtiger ist mir, was Menschen in mir tun. Musik und Gebete klingen in meinen Mauern seit Generationen. Menschen haben Geld gesammelt, damit ich dafür den geeigneten Rahmen geben kann. Mein Innenraum ist hell und schön und hat alles, damit meine Besucher einen Gottesdienst tatsächlich feiern können.
 
Dürften wir eine Anekdote aus Deinem langen Leben hören?
Oh, aus 100 Jahren könnte man vieles Interessante erzählen. Vielleicht dies: Obwohl ich als Kirchengebäude so unbedeutend bin, haben Menschen, die mich lieben, ein Buch über mich geschrieben, das sie Kirchenführer nennen. Das kann sich sehen lassen, außerdem ist das Aufschreiben gut gegen das Vergessen. Sag den Leuten, die mich besuchen wollen, dass sie nach dem Buch fragen sollen.
 
Hast Du eine Vision, wie das kirchliche Leben in den nächsten 100 Jahren sein sollte oder könnte? Speziell bei und in Dir? Bei den Christen in der Neckarstadt insgesamt?
Für einen Bau sind Visionen nicht wichtig. Er sollte als Kirchengebäude aber so beschaffen sein, dass die Menschen darin Visionen haben können. Dafür bin ich da. Dann geht es den Menschen mit ihrem Glauben gut, und ich bin glücklich.
Auch hier sieht man mal wieder: Selbst mein origineller dreibeiniger Kirchturm hülfe mir nichts ohne die Menschen, die mich besuchen. Ich wäre ohne sie leer, nur ein Gebäude. Das Gute daran sind die Menschen darin.
Das Interview führten Judith Natho, Johannes Paesler
 
Geburtstagsparty 11. & 12. November 2023
 
Bei Fragen und Anmerkungen können Sie sich gerne an Pfarrerin Judith Natho wenden. Judith.Natho@kbz.ekiba.de.
 
MEHR INFORMATIONEN
 
 
 
 
 
 

Philipp Melanchthon war ein sehr kluger Mann, der vor langer Zeit in Deutschland lebte. Er war ein enger Freund von Martin Luther, einem berühmten Mann, der die Kirche veränderte.
Melanchthon half Luther und spielte eine wichtige Rolle, indem er über den Glauben und die Religion nachdachte. Er schrieb auch viele Bücher über diese Dinge. Melanchthon half bei der Gründung einer Universität in Wittenberg, wo Menschen lernen konnten.
 
Manchmal nennen die Leute ihn "Lehrer Deutschlands", weil er so viel über Bildung wusste und vielen Menschen half, klüger zu werden. Seine Ideen und Schriften hatten einen großen Einfluss auf die Reformation und die Bildung in Europa.
 

Philipp Melanchthon wird am 16. Februar 1497 in Bretten geboren. Mit dreizehn Jahren kommt er als Student nach Heidelberg. Als er noch nicht ganz siebzehn Jahre alt ist, beginnt er, als Lehrer in Tübingen zu unterrichten. Er verfaßt seine ersten pädagogischen Schriften und eine griechische Grammatik, die über viele Jahrzehnte hinweg die beste in Deutschland bleibt. 1518, im Alter von einundzwanzig Jahren, wird er als Professor nach Wittenberg berufen. Dort lehrt er achtundzwanzig Jahre lang an der Seite seines Freundes Martin Luther. Als Lehrer und Reformator wird Philipp Melanchthon weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. 1530 verliest man das von ihm verfaßte Augsburger Glaubensbekenntnis vor dem Reichstag in Anwesenheit des Kaisers. Melanchthon stirbt mit dreiundsechzig Jahren am 19. April 1560. Er wird fast auf den Tag so alt wie Martin Luther.
„Wir sind zum wechselseitigen Gespräch geboren" hat Melanchthon einmal gesagt. Zum Gespräch geboren: so wird der Humanist und Theologe Melanchthon bestens charakterisiert. Sein unermüdlicher Briefwechsel - über 9000 Briefe sind erhalten -, seine Beratung vieler Städte und Universitäten sowie seine Vermittlung zwischen Standpunkten und Konfessionen zeugen davon.
 

Die Bedeutung Philipp Melanchthons (1497-1560) für Europa.
Die Ausstellung in der Melanchthonkirche im November 2023 zeigte, wie der Reformator und Humanist Philipp Melanchthon sein ganzes Leben lang versuchte, die konfessionellen und politischen Grenzen zu überwinden, die Europa teilten. Von der Notwendigkeit des Dialogs überzeugt, glaubte Melanchthon, dass Europa den Frieden finden könnte, indem es sich bildete und zu den Quellen der Antike und des Christentums zurückkehrte.
 
Wir empfehlen diese Ausstellung sehr!

Interview von Albert de Lange, dem Schöpfer der Ausstellung. Die Bedeutung Philipp Melanchthons (1497-1560) für Europa (französisch).