Paul Gerhardt Jahr

 
Paul Gerhardt- Ein beliebter Liederdichter, nach dem unsere Paul Gerhardt-Kirche benannt wurde
„Mein Herze soll sich fort und fort an diesem und allem Ort zu Gottes Lobe neigen.“

„Mein Herze soll sich fort und fort an diesem und allem Ort zu Gottes Lobe neigen.“
Vielleicht haben Sie diese Inschrift auf der Südseite der Kirche, an der vielbefahrenen Waldhofstraße am Neuen Messplatz schon gelesen? Sie stammt aus Paul Gerhardts wohl bekanntesten Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud.“ (12. Strophe).
Paul Gerhardt hat wie kein anderer Dichter die Schönheit des Lebens gefeiert - obwohl er in den Wirren des 30-jährigen Krieges ständig mit den Abgründen des Menschseins konfrontiert war. Während seiner Stationen in Wittenberg, Berlin, Mittenwalde und Lübben schreibt er mit einzigartiger Sprachkraft Liedtexte, die den Menschen Hoffnung geben. 

Vor genau 350 Jahren, am 27. Mai 1676, ist er in Lübben, Spreewald, gestorben, mit 69 Jahren.
Anlass genug, seiner in diesem Jahr einmal mehr zu bedenken. 

Wer war er?
Paul Gerhardt wurde als zweites von vier Kindern in Gräfenhainichen, Kursachsen, in einer Gastwirtsfamilie geboren, besuchte die Stadtschule, in der er Grundkenntnisse der lateinischen Sprache und des Chorgesangs erwarb. Die Familie hatte unter den Folgen des 30-jährigen Krieges zu leiden: Hunger, Seuchen und Übergriffe von Soldaten. 1619 starb der Vater, 1621 die Mutter. Paul durfte ab 1622 die Fürstenschule in Grimma besuchen, (wie sein älterer Bruder Christian), die Schmiede des sächsischen Pfarrer- und Beamtennachwuchses.
1627 bestand er die Abschlussprüfung und zog nach Wittenberg zum Theologiestudium.
 
Studium in Wittenberg
1628 begann er sein Theologie- und Philosophiestudium. Zuvor hatte er sich schon mit Luthers Lehre befasst. In Wittenberg fand er bedeutende Lehrer zu Luthers Orthodoxie und zur Dichtkunst. Zur Finanzierung seines Studiums nahm er eine Anstellung als Hauslehrer bei dem Archidiakon der Wittenberger Stadtkirche an, und zog in dessen Haus ein. 
1636/37 wütete die Pest, und schwedische Soldaten zerstörten viele Ortschaften, wie auch seine Geburtsstadt. 1637 starb Pauls Bruder Christian. 1643 beendete er seine Studien.
 
Berlin
Paul Gerhardt fand bei dem Kammergerichtsrat Andreas Berthold eine Anstellung als Hauslehrer. Die Kriegserlebnisse verarbeitete er in Liedtexten, in die er auch theologische Themen einfließen ließ. Damit gab er seinen Mitmenschen neuen Mut und Hoffnung. 
1657 bis 1667 war er als Pfarrer an der Berliner Nicolaikirche tätig. Dort wirkte seit 1622 Johann Crüger als Kantor, der 1640 erstmals das Gesangbuch „Praxis Pietatis Melica“ Das ist Übung der Gottseligkeit in christlichen und trostreichen Gesängen herausgegeben hatte. Zwischen ihm und Paul Gerhardt entstand eine langjährige freundschaftliche Zusammenarbeit. 

Mittenwalde
1651, nach dem Tod des ersten Mittenwalder Pfarrers setzte sich die Gemeinde mit dem Berliner Konsistorium in Verbindung. Dieses empfahl ihnen Paul Gerhardt, der dort sehr beliebt war. Er wurde in Berlin noch ordiniert, bevor er dann seine Stelle in Mittenwalde antrat. Neben seinen pfarramtlichen Tätigkeiten pflegte er die Liedkunst. 1653 erschien die 5. Auflage von Crügers Gesangbuch, in dem sich 64 neue Lieder von Gerhardt befanden. Während dieser Zeit verfasste er unter anderem das Passionslied „O Haupt voll Blut und Wunden“. Es ist die Übersetzung des lateinischem „Salve caput cruentatum“ des Arnulf von Löwen. Es fand Eingang u.a. in Bachs Matthäuspassion und steht noch in unserem Gesangbuch.
1655 heiratete Paul Gerhardt Anna Maria, die Tochter von Andreas Berthold. Im Jahr darauf bekam das Paar eine Tochter, die bereits ein halbes Jahr später starb. Von weiteren vier geborenen Kindern verstarben drei früh. Als einziger überlebte der Sohn Paul Friedrich seine Eltern. 
 
Zweite Berliner Zeit
1657 wurde Paul Gerhardt mitgeteilt, dass er zum zweiten Diakon an der Berliner Nikolaikirche gewählt worden war. So zog die Familie zurück nach Berlin.
Kurfürst Friedrich Wilhelm, der zum reformierten calvinistischen Bekenntnis übergetreten war, machte es den Lutheranern wie Paul Gerhardt nicht leicht. Der Kurfürst verlangte von den Lutheranern, das Toleranzedikt zu unterschreiben, und so anzuerkennen. Alle, die sich weigerten, wurden entlassen. 1666 wurde Paul Gerhardt entlassen. Der Berliner Magistrat , sowie die märkischen Landstände, intervenierten, so dass Paul Gerhardt 1667 wieder eingesetzt wurde. Letzterer jedoch verzichtete darauf- aus Glaubens- und Gewissensgründen. Nun war er jedoch ohne Einkommen.
Bereits 1666 hatte Paul Gerhardt begonnen, kleine Hefte anzulegen, die bis zum Jahr 1667 gedruckt wurden und jeweils 12 Arbeiten enthielten. Diese wurden von Johann Georg Ebeling als sogenannte „Geistliche Andachten“, als Nachfolger Johann Crügers als Kantor an der Berliner Nikolaikirche, herausgegeben. Sie enthält 120 Lieder von Gerhardt. In diese Zeit fiel auch der Tod seiner Frau Anna Maria. (1666)

Lübben
Im Jahr 1668 wurde Paul Gerhardt für das Amt des Archidiakons an der Nikolaikirche in Lübben berufen, wo er bis zu seinem Tod im 70. Lebensjahr zu voller Zufriedenheit der Gemeinde arbeitete. Er wurde im Chorraum der Kirche beigesetzt. Seit 1930 trägt die Kirche seinen Namen.
Die frühen Erfahrungen von Krieg, Krankheit und Tod prägten Gerhardt. Seine Lieder gehören zum Schönsten der religiösen Dichtung in deutscher Sprache. Seine Lyrik behandelt die christliche Kirche, die Tages- und Jahreszeiten, das Ehe- und Familienleben. Mit dem Adventslied „Wie soll ich dich empfangen“ beginnt er das Kirchenjahr, es folgen Weihnachtslieder wie „Fröhlich soll mein Herze springen“ und „Ich steh an deiner Krippen hier2, denen das Passionsgedicht „O Haupt voll Blut und Wunden“ gegenübertritt. Das Oster- und Pfingsterlebnis verbindet sich mit der Freude an der erwachenden Natur, mit deren Tieren und Pflanzen sich Gerhardt vertraut fühlte. In „Geh aus mein Herz und suche Freud“ zeigt er das sommerlich blühende Land; er schildert Regentage und Sonnenschein, Erdenleid und Erdenglück. Er singt das Lob der Hausfrau; er tritt aber auch zu den Eltern am Grabe ihres Kindes oder lässt das verstorbene Kind zu seinen Eltern sprechen. Außerdem verfasste Gerhardt Trostgesänge wie „Gib dich zufrieden  und sei stille“, „Warum sollt ich mich denn grämen“, „“Ich bin ein Gast auf Erden“ und „Befiehl du deine Wege“. Auch die Kriegsnot und die Sehnsucht nach Frieden spiegeln sich in Gerhardts Lyrik wider; am Ende des 30-jährigen Krieges dichtete er das Danklied „Gott Lob, nun ist erschollen das edle Fried- und Freudenwort.“
Vertont wurden seine Gedichte von Johann Crüger, Johann Georg Ebeling und Johann Sebastian Bach. 
Bei Martin Luther ruft die Gemeinde zu Gott, bei Gerhardt spricht der Einzelne. Gerhardts Lieder markieren den Anfang einer neuzeitlichen deutschen Lyrik und weisen den Weg zur barocken Lieddichtung. Seine Dichtungen haben nicht nur die Zeiten überdauert, sondern sind grenzenüberschreitend zwischen konfessionellen und sprachlichen Schranken geworden. Sie wurden in viele Sprachen übersetzt und fanden Eingang auch in viele katholische und reformierte Gesangbücher. Damit ist Gerhardt zum ökumenischen Dichter geworden. 

Im derzeitigen EG (1993) sind 26 Lieder von ihm enthalten. 
In diesem Festjahr 2026 findet u.a. in Lübben eine Festwoche statt, sowie Veranstaltungen in Berlin, Grimma, und Gräfenhainichen statt, sicher einen schönen Ausflug wert!

Für Albert Schweitzer war er der „König der geistlichen Sänger“, für Dietrich Bonhoeffer der „Prediger des Trostes und der Freude“. 

Für mich gehört Paul Gerhardt seit frühester Kindheit zu meinem Leben: durch die Familie, Chöre und Gemeinde bin ich früh mit seinen Liedern vertraut geworden. So war es mir ein Bedürfnis, bereits das Paul-Gerhardt-Jahr 2007 zu seinen Ehren zu gestalten und auch in diesem Jahr seine inspirierenden Texte musikalisch aufleben zu lassen. Ich hoffe, dass ich Ihnen auch ein bisschen  Appetit machen konnte und wir uns singender- und hörenderweise auch bei der einen oder anderen Veranstaltung sehen werden! 
Und - vielleicht sind Sie auch so inspiriert und haben auch Lust, sein „Geh aus mein Herz“-Lied mit Ihren eigenen Lieblingspflanzen- und Tieren-Strophen zu erweitern, die wir in den Gottesdiensten gemeinsam singen werden? Auch über andere Kunstformen würde ich mich riesig freuen!
Herzliche Grüße
Ihre Kantorin Beate Rux-Voss
 
Karfreitag, 3. April,10:00 Uhr, Melanchthonkirche: „O Haupt voll Blut und Wunden“, Liedkantate von Beate Rux-Voss; Gottesdienst mit der Melanchthonkantorei (Beate Rux-Voss); Prädikantin Elke Niebergall-Roth
 
Sonntag, 26. April, 17:00 Uhr, Melanchthonkirche: „Geh aus mein Herz und suche Freud“, Paul Gerhardt und seine Zeit- Werke von Heinrich Schütz, Philipp Heinrich Erlebach und Neuvertonungen von Beate Rux-Voss; Regina Dahlen, Sopran; Beate Rux-Voss, Klavier; Eintritt frei; Spenden erbeten.
 
Sonntag, 10. Mai, 10:00 Uhr, Melanchthonkirche: „Sollt ich meinem Gott nicht singen?“ Gottesdienst zu Paul Gerhardt; Melanchthonkantorei (Beate Rux-Voss); Pfarrerin Dr. Johanna Falkenhahn
 
Sonntag, 7. Juni, 10:00 Uhr, Paul Gerhardt-Kirche: Gottesdienst über Paul Gerhardt; Pfarrer Helmut Becker