Schöpfungsleitlinien
Der Ältestenkreis hat die Schöpfungsleitlinien überarbeitet. Hier gibt es die aktuelle Fassung von 2021.
Präambel
Und Gott der Herr nahm den Menschen und setze ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte (1. Mos 2, 15)
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst“. (3. Mose 19,18; Lukas 10, 27 u.a.)
Als Evangelische Gemeinde in der Neckarstadt hören wir den biblischen Auftrag, die Erde als Schöpfung Gottes zu bebauen und zu bewahren, und haben das Gebot der Nächstenliebe, das Jesus gemeinsam mit der Liebe zu Gott als höchstes Gebot benannt hat, vor Augen.
Deshalb verstehen wir die Verantwortung für unsere Mitwelt als eine der zentralen Aufgaben unserer Gemeinde, die viele Bereiche kirchlichen Handelns berührt. – Als Christ:Innen sind wir auf besondere Weise herausgefordert zu lernen, innerhalb der Möglichkeiten und Grenzen von Gottes Schöpfung zu leben, sowie glaubwürdig aufzuzeigen, wie wir den Auftrag der Schöpfungsbewahrung und dem Einstehen für unsere Nächsten nachkommen.
Unser ökologischer Fußabdruck muss insgesamt kleiner werden, um nicht zu übersteigen, was diese Erde verkraftet. Ebenso müssen die Grundrechte aller Menschen, die gerade in einer globalisierten Welt vielfach missachtet werden, neu eingefordert werden. Der Wechsel zu einer nachhaltigen Entwicklung erfordert einen tiefgreifenden Wandel von Werten, Konsummustern und dem Verständnis von Lebensqualität. Der Beitrag zu einem solchen Wandel für eine ökologisch tragfähige, sozial gerechte, friedliche und wirtschaftlich gesicherte Zukunft bildet einen Schwerpunkt des kirchlichen Engagements.
Dabei dürfen wir in all unserem menschlichen Tun auf Gottes befreiende, stärkende Gegenwart vertrauen, auf seinen ermutigenden Zuspruch in unser aller Leben, und auf Gottes Verheißung der Erneuerung aller Schöpfung hoffen.
Die evangelische Gemeinde in der Neckarstadt gibt sich folgende Leitlinien:
Wir achten das Lebensrecht der Menschen in allen Regionen der Erde
Wir wollen in unserer Gemeinde mit den Rohstoffen dieser Erde so umgehen, dass unsere Lebensqualität möglichst keine Umweltzerstörung, Ungerechtigkeit und Armut in anderen Regionen der Welt auslöst. Deshalb bevorzugen wir im Einkauf fair gehandelte, biologisch angebaute und regionale Produkte. Wir vermeiden den Einkauf solcher Waren, bei deren Herstellung die produzierenden Menschen benachteiligt oder deren Grundrechte eingeschränkt werden.
Wir achten das Lebensrecht künftiger Generationen
Wir verringern kontinuierlich Belastungen und Gefahren für die Umwelt.
Über die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben hinaus setzen wir die bestverfügbare Technik ein, soweit dies wirtschaftlich vertretbar ist. Wir bevorzugen umweltfreundlichen, insbesondere aus der Region stammende Produkte, Verfahren und Dienstleistungen. Bei der Auswahl unserer Geschäftspartner:Innen berücksichtigen wir ökologische Zielsetzungen. Wo es möglich ist, vermeiden wir den Einkauf solcher Waren, die nach unserem Wissen nicht umweltschonend hergestellt wurden.
Wir achten auf den sorgsamen Umgang mit Wasser und beachten den sparsamen Verbrauch von Strom, Fernwärme und anderen Energieträgern (z.B. Treibstoffe bei Verkehrsmitteln), Reinigungsmitteln, Papier und sonstigen Verbrauchsmaterialien. Gleiche Bedeutung kommt der Beschaffenheit der genannten Stoffe zu: Wir achten auf ökologische Herkunft und umweltschonende Entsorgung sowie die Einschränkung des Abfalls.
Bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen achten wir auf kurze Versorgungswege und bevorzugen regionale und biologisch angebaute Produkte.
Wir achten das Lebensrecht unserer Mitgeschöpfe
Die Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Pflanzen und Tieren und ihren Lebensräumen wollen wir in unseren Liegenschaften fördern. Dies kann z.B. durch Ausweisung naturnaher Flächen in unseren Gärten geschehen.
Beim Verzehr von tierischen Produkten tragen wir Sorge, dass durch unseren Einkauf artgerechte Tierhaltung gefördert wird. Auch deshalb bevorzugen wir biologisch angebaute und regionale Produkte und bieten immer auch vegetarische, möglichst auch vegane Kost bei Veranstaltungen, Festen und in den Gottesdiensten mit an.
Wir handeln als lernende Solidargemeinschaft
Als Gemeinde sind wir miteinander auf dem Weg, lernen voneinander und motivieren uns gegenseitig. Deshalb gestalten wir Gottesdienste mit Schöpfungs- und Eine-Welt-Themen, schaffen Informations- und Austausch-Möglichkeiten und laden zur Mitarbeit bei Umwelt- und Eine-Welt-Themen ein. Die bei uns lebenden Kinder und Jugendlichen erhalten in besonderem Maße die Gelegenheit, sich mit der Umwelt, ihrer Bebauung und ihrer Bewahrung sowie auch mit globalen Zusammenhängen ihrem Alter entsprechend auseinandersetzen.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen wir aktiv in Umweltfragen mit einbeziehen, ihre Anregungen aufnehmen und berücksichtigen. Durch Aus- und Fortbildungsangebote möchten wir die persönlichen Kopetenzen fördern und auf diese Weise hohe Umwelt- und Qualitätsstandards erreichen.
Als Instrument zur Umsetzung unserer Grundsätze führen wir ein Umweltmanagementsystem durch, das einen kontinuierlichen Prozess von Gewahr-Werden und Optimieren insbesondere unserer Umweltwirkungen begründet. Wir erfassen und bewerten regelmäßig unsere Leistungen und Umweltauswirkungen, vereinbaren Handlungsprogramme und bennen Verantwortliche. Wir dokumentieren und überprüfen unsere Ergebnisse mit dem Ziel einer stetigen Verbesserung.
Als Gemeinde sind wir Teil der Gesellschaft
Unsere Gemeinde steht der Gesellschaft nicht gegenüber, sondern ist Teilder Gesellschaft in der Neckarstadt. Als solcher möchten wir in unseren Stadtteil und in unserer Stadt hineinwirken. Deshalb informieren wir regelmäßig über unsere Aktivitäten und suchen auch in Umwelt- und Eine-Welt-Fragen den Austausch mit den Menschen und Institutionen in unserem Stadtteil bzw. unserer Stadt.
Zuspruch
Und Gott Sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allen lebendigen Getier bei euch auf ewig: Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. (1. Mose 9,12-139
„Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen.“ (Jesaja 65, 17)





